Nokia, Quelle, Kodak – Pinnow?

Unsere Gemeinde hat sich in den letzten 30 Jahren gut entwickelt und weist eine hohe Lebensqualität auf – diese Einschätzung teilen sicherlich nahezu alle in Godern und Pinnow.

Kann man aus der Vergangenheit Rückschlüsse für die Zukunft ziehen. Ja, kann man, man muss es sogar – wir alle lernen aus positiven Erfahrungen und noch mehr aus Fehlern. Jedoch ist es trügerisch, davon auszugehen, dass eine positive Entwicklung sich in der Zukunft einfach fortsetzt.

Wer telefoniert heute noch mit einem Nokia-Telefon, bestellt bei Quelle und fotografiert mit einer Kodak-Kamera? Diese Unternehmen waren noch vor einigen Jahren mehr als erfolgreich, jedoch haben sich Rahmenbedingungen geändert, auf die sich diese Unternehmen nicht eingestellt haben.

Rahmenbedingungen ändern sich

Ich denke, auch die Rahmenbedingungen, auf denen der Erfolg unserer Gemeinde basiert, ändern sich.

Demographie / Altersstruktur

Wir haben lange Zeit profitiert und profitieren auch heute noch von einer hohen Zahl an Einwohner, die im Arbeitsleben stehen. Steuereinnahmen, hohe Mitwirkungsrate in Gremien und Vereinen, überschaubare Infrastrukturanforderungen sind und waren damit verbunden. 

2011 lebten in Godern und Pinnow knapp 398 Menschen im Rentenalter, ca. 21 % der gesamten Einwohnerschaft. 55 bzw. älter und jünger als 65 Jahre waren 450 Einwohner und zwischen 45 und 54 waren 376 Menschen.

In Kürze werden wir bei ungefähr gleicher Gesamtbevölkerung die doppelte Anzahl an Einwohnern haben, die älter als 65 sind, als es 2011 der Fall war. Tendenz weiter steigend und damit verbunden, ist ein steigender Anteil der über 70 und 80jährigen. Dies ist wesentlich, denn diese Altersgruppe hat ganz eigene Anforderungen an die Themen der Ortsentwicklung. (Quelle: Statistisches Amt MV – PDF-Dokument)

Infrastruktur

Ein Großteil der gemeindlichen Infrastruktur basiert auf Investitionen in den 1990iger Jahren. Dank regelmäßiger Wartung und Erweiterung deckt sie die bisherigen Anforderungen ab.

Die Möglichkeit stetiger Erweiterungen (z.B. Kindergarten, Bürgerhaus) erlaubte effizienten Umgang mit baulichen und finanziellen Ressourcen. Gleichzeitig ersparte dies (emotionale) Grundsatzdiskussionen über Vor- und Nachteile von Neubauten, vieles konnte im Konsens vorangebracht werden. Wie ich es in meinem Beitrag zur Kita beschrieben habe, sind die Ausbaureserven jedoch endlich.

Themen, wie beispielsweise Heizhaus/Fernwärme oder Strand Godern, zeigen die Herausforderungen, wenn neue Anforderungen und Wünsche sich nicht durch eine Erweiterung im Bestand abdecken lassen.

Finanzausstattung und Fördermittel

Die finanzielle Handlungsfähigkeit – die nur wenigen Gemeinden im Land gegeben ist – basiert im wesentlichen auf drei Faktoren:

  • Pinnow ist keine finanziellen Abentheuer/unkalkulierbare Großinvestitionen eingegangen
  • relativ stabile Steuerzuweisungen aufgrund der Einwohner-Alters- und Einkommensstruktur
  • gute Nutzung von Fördermöglichkeiten

Erstgenanntes können wir uns für die Zukunft erhalten. Bei den anderen beiden Faktoren wird es wesentliche Änderungen geben. Mittelfristig werden uns weniger finanzielle Mittel (Summe aus Zuweisungen und Fördermitteln) bereitstehen. Gleichzeitig ist das neue Finanzausgleichsgesetz darauf ausgelegt, dass die Gemeinde mehr Eigenständigkeit bei der Nutzung finanzieller Mittel haben. Kurz: weniger Förderprojekte, mehr Eigenverantwortung im Umgang mit weniger werdenden finanziellen Mitteln.

Neue Aufgaben und Möglichkeiten

Noch einmal zurück zu Nokia, Quelle und Kodak – Pinnow wird nicht deren Weg gehen. Rechtlich ist dies nicht möglich und unabhängig davon haben wir in Godern und Pinnow das Potential, uns auf oben genannte Veränderungen einzustellen und mit diesen erfolgreich zu arbeiten.

Dazu brauchen wir die Köpfe, die in der Vergangenheit für unsere Gemeinde gearbeitet genauso wie Menschen mit neuen Ideen und Impulsen. Bereits geschaffene Gremien wie der Zukunftsausschus und neue, ergänzende Formen der Kommunikation und kommunalen Arbeit helfen uns, diese Aufgaben gemeinsam zu bearbeiten. Um so früher wir damit beginnen, um so mehr Handlungsoptionen haben wir. 

Godern und Pinnow als attraktiven Lebensort für ein selbstbestimmtes Leben im Alter erhalten und weiterentwickeln, Familien mit Kindern anziehen und gleichzeitig den Charakter beider Dörfer erhalten – was wie die Quadratur des Kreises klingt – ist unsere gemeinsame spannende Aufgabe für die nächsten 10-15 Jahre.

2 Kommentare

  • Bravo!
    Sehr gute Analyse und Folgerung. Ich wünschte mir diesen Durch- und Weitblick auch in „meiner“ Gemeinde. Wer dich nicht wählt – dem ist auch nicht zu helfen 😉

    Grüße vom anderen Dorf und viele Stimmen am Sonntag!
    aba

    • Lieber Aba,

      vielen Dank für die „Blumen“. Die obigen Zeilen sind erste Anstöße, um über die Veränderungen und dem Umgang mit diesen nachzudenken, die Analyse weiter zu vertiefen und sachgerechte Maßnahmen zu definieren.

      Ich denke, es gibt viele Menschen in Deiner Gemeinde und hier in Pinnow, die da mitdenken können und möchten. Sie müssen nur zusammenfinden und wie bei jeder Veränderung, der erste Schritt ist der schwerste. Und was wir beide auch in den letzten 20 Jahren lernen mussten: der, der etwas zuerst angeht, hat damit oft keinen bzw. nur geringen Erfolg. Womit wir fast wieder bei Nokia sind.

      Bei obigen Themen misst sich Erfolg jedoch nicht in Mandate in einer Gemeindevertretung. Diese helfen diese maximal dabei den notwendigen Veränderungsprozess schneller anzuschieben. Entsprechend wünsche ich auch Dir viele Stimmen am Sonntag und freue mich auf weitere gegenseitige Inspirationen.

      Viele Grüße

      Birger

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